Evangelische Kirche Mitterbach

Neugestaltung 2016

 

Die Kirche wurde im Jahre 1785 - damals noch als Bethaus - eingeweiht. Sie liegt mitten in den niederösterreichischen Kalkalpen und ist die älteste Evangelische Kirche in Niederösterreich. 1747  erfolgte ein  Zuzug von evangelischen Holzknechten zur Zeit Maria Theresias vom Zisterzienserstift Lilienfeld gerufen, die unwegsamen Waldungen um den Ötscher mitten in den niederösterreichischen Kalkalpen zu roden und Holzernte einzubringen.

Seit Jahren sind Instandsetzungs- und Renovierungsarbeiten notwendig geworden. Im Jahre 2015 hat sich die Pfarrgemeinde dazu entschlossen eine umfangreiche Sanierung des Innenraumes durchzuführen mit regionalen und ökologischen Baustoffen um auch den ursprünglischen Bethausstil wieder klar erkennbar werden zu lassen.

 

Maßnahmen

Die Maßnahmen zur Neugestaltung sind in der sachlichen Herangehensweise der ursprünglichen Konzeption motiviert und bauen auf Materialechtheit und schlichten, den Raum betonenden Oberflächen.

 

Altarraum

Das um eine Stufe erhöhte Vorfeld des Altars wurde in das Langhaus vorgezogen und im Holzbodenbelag aus heimischen Lärchen betont. Dieses Feld mit dem zentral gesetzten Taufstein gibt den sakramentalen Handlungen (Abendmahl und Taufe) nun mehr Raum und Ort. Beim Altarraum finden sich die vorhandenen Gegenstände aus der Ursprungszeit: die Kanzel, die  Engel aus „St. Johann in der Wüste“ und das Vortragkreuz. Der Eisenkunstguß stellt Gottvater und Christus auf der Weltkugel (M. 19. Jh.) dar und stammt aus der nahen Kunstgießerei Gußwerk.

Empore

Die 1970 weit nach vor gezogene Empore wurde rückgebaut und durch zwei Seitenemporen ergänzt. Zahlreiche Beispiele belegen ähnliche (a)symmetrische Anlagen von „Hufeisen“-Emporen in evangelischen Bethäusern und Kirchen. Die neue Anlage der Emporen gibt der Orgel wieder ihren gebührenden Stellenwert im Kirchenraum.

Die Tragkonstruktion der brückenartigen Emporen ist vom Dachstuhl abgehängt. Der Blick aus den Bankreihen im Kirchenraum wird somit nicht durch Stützen beeinträchtigt.

Die Flächen der Brüstungen sind transparent.  In den Textfeldern sind die Namen der ersten Bekenner zum evangelischen Glauben aus dem Jahre 1782 eingearbeitet.

Eine Stiege wie früher im Innenraum verbindet die Empore nun direkt mit dem Altarraum. Die Fenster werden durch die Distanzierung und die Höhenlage der neuen Seitenemporen besser betont, der Lichteinfall insbesondere an der Südseite wird damit wesentlich verbessert. 

Oberflächen

Die Holzoberflächen der bestehenden Ausstattung wurden auf ihren ursprünglichen Charakter zurückgeführt. So wurden die Lackschichten auf den grossen hölzernen Rahmen, der Kassettendecke, der Kanzel und den Sitzbänken entfernt. Nach restauratorischer Befundung wurden die Wände in den ursprünglichen hellen Farbton rückgeführt.

Boden und Decke

Das Niveau im Langhaus wurde durch das Aufbringen einer Dämmschicht und den neuen Holzboden erhöht, sodass vom Vorraum her nun kein Niveauunterschied mehr besteht. Der Dielenboden wurde aus heimischer Lärche hergestellt. Die Erhöhung zum Altarraum ist vorgezogen und auf eine Stufe verringert. Das Niveau der Sakristei ist auf die Höhe des Altarraumes angeglichen worden. Die Verkürzung des Kanzelzuganges eröffnet mehr Raum und Freiheit in den Nutzungsmöglichkeiten der Sakristei. Die Decke wurde im Dachraum gedämmt. Die beige Lackschicht der Holzkassettendecke wurde entfernt.

Haustechnik

Die gesamten Elektroinstallationen wurden erneuert. Die Beleuchtung erfolgt mit energiesparenden LED-Strahler von den Emporen aus. Im unteren Teil der Wände wurde eine Wandheizung eingebracht, die umweltfreundlich über eine Wärmepumpe mit Tiefsonden versorgt wird. Dämmung des Bodens mit Blähton und der Decke mit Altpapiereiblasdämmung.

 

Fotos:

c Konrad Neubauer

c  Beneder/Fischer
 

Generalplanung + ÖBA:
DI Ernst Beneder, Architekt
DI Dr. Anja Fischer, Architektin
1010 Wien

 

Auftraggeberin:
Evangelische Kirche Mitterbach
i.V. Pfarrerin Dr. Lusche

 

Statik:
DI Reinhard Schneider

 

Restaurator:
Peter Ledolter

 

Artikel zur Kirche in DIE PRESSE Spectrum

 

Bauliche Maßnahmen

Raumschale:

Wand- und Deckenflächen Sumpfkalkputz mit Leimfarben, weiß

Anpassung der Durchgangshöhen zur Sakristei

Holzsichtige Teile der Konstruktion, gewachst
(Lack entfernt)

Wärmeisolierung nach oben durch Altpapier-Einblasdämmung im Dachboden

 

Empore:

Entfernung der rezenten Emporenverlängerung

Zwei neue Emporen an den Längsseiten

Hängekonstruktion (Zugstangen) vom Dachstuhl

Bestuhlung der neuen Emporen mit Klappbänken

Transparente Brüstung mit Schriftsatz
(Fräsearbeit aus Massivholzplatten)

Textvorlage: Bekenner aus 1782

 

Boden:

Anpassung der Niveaus und der Stufenanlagen

Ton-Dämmung auf bestehender Betonplatte

Holzboden, heimisch Lärche Dielen-Massivholzboden

 

Ausstattung:

Materialechte Oberflächen (Entfernung der Lackierungen/Dispersionsanstriche)

Anpassung der vorderen Bankreihen

Sitzplätze: 180 Langhaus und 56 Empore

Weltkugel am Aufgang zur Südempore

Neue Einrichtung in Vorraum und Sakristei

 

Haustechnik:

Erneuerung der Elektroinstallation

Wandheizung mit Erdwärme-Pumpe
(Tiefsonden)