Waldfriedhof Prinzersdorf

Neugestaltung 2019

Baubestand

Am Hang in der Nähe des Mühlbaches liegt der Friedhof von Prinzersdorf. Der kommunale Friedhof wurde 1963 samt Aufbahrungshalle errichtet und sukzessive nach Norden erweitert. Die wachsende Nachfrage nach Urnengräbern lässt den auf Erdbestattung konzipierten Friedhof an seine Grenzen stoßen.

 

Baumbestand

Schon seit Jahren wird (in guter Voraussicht) nördlich des Friedhofs intensiv aufgeforstet. Einerseits dient dieses Grünareal als Sichtschutz zu den umliegenden Einfamilienhäusern, anderseits bietet die Fläche Lebensraum für heimische Wildtiere. Das Waldstück knüpft unmittelbar an das Augebiet rund um die Pielach und den Mühlbach an.

 

Projektbeschreibung

Auszug aus dem Amtsblatt der Österreichischen Bischofskonferenz / Nr.75/ 2018:

Für alle gilt unterschiedslos der Auftrag des Werkes der leiblichen Barmherzigkeit: Die Toten zu begraben.  ...

Dort, wo ein Bedarf an Beisetzungsorten für Urnen auf Friedhöfen wahrgenommen wird, empfiehlt sich die Widmung von Erdflächen zur Beisetzung von biologisch abbaubaren Urnen anstatt der Errichtung von Urnenwänden oder Urnenhainen.

 

Das Prinzip der „Vergänglichkeit“ wie bei Erdbestattungen von Leichen sollte auch bei Urnenbestattungen erhalten bleiben, sodass der („ewige“) Verbleib im Naturkreislauf gesichert ist. Generell werden Urnengräber mit biologisch abbaubaren Urnen statt Urnennischen in Stahlbetonwänden bevorzugt.

 

 Massnahmen

1.  Waldgrabstätten nach Art einer naturnahen Bestattung im Wald

2.  Andachtsort bei Seerosenteich mit Pforte zum Ruhewald

3.  Wiesengräber für biologisch abaubaren Urnen entlang Trockensteinmauer mit Wildblumenwiese

4.  Zentraler Friedhofsplatz als Treffpunkt unter großem Baum an Wasserstelle

5. Räumliche Fassung durch Wildsträucher und Bäumen

 

Waldgrabstätten (nach Norden)

Der Waldfriedhof liegt an einem relativ steilen Hanggrundstück. Es wird bewusst auf viele flache „Zick-Zack-Spazierwege“ durch den Waldfriedhof verzichtet.

Stattdessen wird der „letzte steinige Weg“ als „Himmelsleiter“ konzipiert. Der letzte Weg führt gerade entlang des Hanges hinauf zum „Himmel“ und zu einem Aussichtspunkt, wo sich ein Blick ins Alpenvorland bis hin zum Ötscher eröffnet. Entlang der „Himmelsleiter“ ergeben sich Stichwege mit einer Ruhebank, mit denen der Zugang zu den individuellen Ruhestätten erschlossen werden. Diese Wege sind bewusst als Sackgassen ausgeführt um nicht den Eindruck von „Gräbern entlang eines Rundweges“ zu erzeugen.

Bei dem Waldfriedhof handelt es sich um einen „aufgeräumten“ übersichtlichen Wald ohne Unterholz.

Die Grabstätte ist mit Waldboden bedeckt. Die Grabpflege übernimmt – auf natürliche Weise - der Wald bzw. die Gemeinde.

Auf der langgezogenen Waldlichtung (als „Gottesacker“) wird eine Wildblumenwiese angelegt und kann später auch als „Wiesen“-Ruhestätte angelegt werden. Der „Gottesacker“ in Form einer Waldlichtung wird zwischenzeitlich als Zufahrt für Waldarbeiten dienen.

 

Andachtsplatz

Für die Verabschiedung und dem späteren Gedenken bietet sich ein stimmungsvoller Andachtsplatz an einer „Pforte zur ewigen Ruhe“. Es ist vorgesehen, dass die alltägliche Andacht an diesem Platz erfolgt und nicht direkt am Grab. Das verstärkt den Ruhewald-Charakter. Das Tor zwischen dem umzäunten Friedhof und dem offenen Waldfriedhof symbolisiert eine Art Pforte durch die alle treten müssen. Vor dieser erfolgt das Gedenken an die Verstorbenen.

Vor der Pforte liegt ein länglicher Seerosenteich, über den man zu Pforte schreitet. Der Teich symbolisierte den „Jordan“ über den man den Ruhewald erreicht. Entlang dem Seerosenteich sind Namenplaketten mit Geburtsjahr und Todestag angebracht.

Bevor man den Jordan erreicht durchquert man symbolisch  die „Wüste“.  Eine steinerne Sitzbank umfasst den Bereich, der von zwei Seiten von Trockensteinmauern umfasst ist.

Schnittblumen können  am  Andachtsplatz in eine Blumenleiste am Teich zum Andenken plaziert werden. Alle Grabkerzen können gemeinsam in einer Lichtstele gestellt werden und Leuchten so über den Friedhof.

 

Wiesengrabstätten (nach Westen)

Die Ruhestätten in Form von Urnen-Erdgräbern liegen entlang einer Trockenmauer aus Naturstein innerhalb des Friedhofes, die gleichzeitig auch die Funktion der Hangstützung übernimmt. Die Ausführung könnte an die Weinbergstützmauer wie in der Wachau angelehnt sein, da auch der Friedhof an der „Weinbergstraße“ liegt.

Der Gräberzeile wird mit einer einheitlichen Wild-Blumenwiese bedeckt, die von der Gemeinde gepflegt wird. Man kann „seine“ Ruhestätte in Bereich der Zeile aussuchen, die dann mit einer einheitlichen Natursteintafel gekennzeichnet wird. Auf dem „Grabstein“  vor dem Grab werden der Name und die Daten des Geburtstags und des Todestags eingraviert.

 

 Zentraler Friedhofsplatz

Der grosse Ahornbaum, der sich vorher direkt neben der Friedhofsmauer befand, dient nun als Mittelpunkt und Schattenspender für den neuen Friedhofsplatz. Unter dem Baum sind mehrere Sitzbänke angeordnet und hier befindet sich nun auch eine Wasserstelle mit einem Waschbetonbecken aus dem Bestand.

 

Fotos:

c  Beneder/Fischer

 

Generalplanung + ÖBA:

DI Ernst Beneder, Architekt
DI Dr. Anja Fischer, Architektin

1010 Wien

 

Auftraggeberin:

Marktgemeinde Prinzersdorf
Hauptplatz 1

3385 Prinzersdorf

 

Materialien:

- Waldviertler Gneis (Natursteine Vorderleitner)

Riemchenpflaster, Trockensteinmauer, Sitzbänke

 

- Grünes handgegossenes Schmelzglas mit Bläselung und sandgestrahlter Natursteingrafik (Glaswerkstatt Urbanek)

Pforte, Lichtstele, Eingangstor

 

- Räumliche Fassung durch regionale Wildsträucher und Bäume

z.B.

- seltene Wildblumen- und Waldsamen

- verschiedene Wildrosen, Dirndl, Sanddorn, Schlehdorn, Kreuzdorn, Wollige Schneeball, usw.

- Feldahorn, Eiche, Buche, usw.

(Baumschule Nentwich)

Projekt gefördert von "Natur im Garten"